Emma Cline steht mit ihrem Roman „Switzy“ auf der Longlist für den diesjährigen Booker-Preis…

Belletristik

1. „Switzy“ von Emma Cline

„Switzy“ erzählt die Geschichte von David Hastings, einem älteren Mann, der mit seinem jungen Begleiter Cody auf dem Weg nach London ist. Es wird schnell klar, dass dies Hastings’ letzte Reise sein wird, da er beschlossen hat, zur Sterbehilfe in die Schweiz zu reisen. Auf seiner Reise stattet er noch einige letzte Besuche ab, unter anderem bei seiner entfremdeten Tochter Rebecca und einem alten Freund namens Tom, mit dem ihn eine komplizierte Vergangenheit verbindet. Der geistige Verfall des Protagonisten sorgt für einige überraschende – und herzzerreißende – Enthüllungen, und die Erinnerung daran, dass er diesen Prozess jederzeit aufhalten kann, weckt die Spannung, ob er seinen Plan wirklich in die Tat umsetzen wird. Es ist eine fesselnde Prämisse, und im Mittelpunkt des Romans steht die Frage, was einem Mann noch bleibt, wenn die Dinge, die ihn geprägt haben – Karriere, Ehe und Familie –, ihm entglitten sind.

Bildnachweis: PA; Autor: Karan Mahajan;

2. „The Complex“ von Karan Mahajan

Karan Mahajans dritter Roman ist ein weitreichendes Porträt einer Familie, die im Indien des späten 20. Jahrhunderts eine Zeit des Wandels durchlebt. Während die Nation sich mit Kontroversen um kastenbasierte Fördermaßnahmen, wachsender Sikh-Feindlichkeit und dem Aufstieg neuer politischer Kräfte auseinandersetzt, spiegelt sich Indiens sich wandelnde Identität darin wider, dass eine stolze, aber unvollkommene Familie dem Erbe ihres hochgelobten Patriarchen nicht gerecht wird. Es ist ein Buch, das seinem Namen alle Ehre macht – es gibt eine komplexe Besetzung von Charakteren und ein Handlungsgeschehen, das zwischen Nord-Delhi und Midland, Michigan, hin und her wechselt, wo Sachin und Gita versuchen, dem erdrückenden Sog der „Modern Colony“ ihres Clans zu entkommen, was ihnen jedoch nicht gelingt. Mahajans Blick für Details erweckt eine weitreichende, aber letztlich schmutzige Geschichte zum Leben, die in Korruption, Vetternwirtschaft und Missbrauch versinkt.

Bildnachweis: PA; Autor: Trent Dalton;

3. „Gravity Let Me Go“ von Trent Dalton

„Gravity Let Me Go“ ist ein Roman mit einem dunklen Kern. Im Zentrum eines wirbelnden Strudels miteinander verflochtener Geschichten steht der Autor Noah Cork – wir lernen Noah kennen, als er gerade ein neues True-Crime-Buch über einen kaltblütigen Mörder veröffentlicht hat, der ihm eine Nachricht in seinem Briefkasten hinterlassen hat. Noahs Besessenheit, sein Buch zu schreiben, führt dazu, dass er nicht nur seine Familie, sondern auch seine eigenen Überzeugungen vernachlässigt. Er wandelt sich von einem optimistischen Menschen zu jemandem, der überall Dunkelheit sieht, wobei seine Angst zunimmt, je mehr er sich in die Aufklärung des Mordfalls verstrickt, der ihm vor die Haustür gelegt wurde. Steckt mehr dahinter als nur ein böser Mörder? Es gibt übernatürliche Seltsamkeiten, spannende Wendungen, längst begrabene Geheimnisse und fantastische Geschichten, während Dalton Familien- und Ehedynamiken, den Lebensstil in Vororten und das Wesen des Geschichtenerzählens erforscht. Eine melancholische Fabel für die moderne Zeit.

Sachbuch

Bildnachweis: PA; Autor: Simon Sebag Montefiore;

4. „The Cauldron: The Making Of The Modern Middle East“ von Simon Sebag Montefiore

Ausgehend von den Überresten des Osmanischen Reiches richtet Simon Sebag Montefiore seinen akribischen Blick auf die Helden und Tyrannen, die eine der explosivsten Regionen der Welt beherrscht und verwüstet haben. Die Ursachen der vielen heutigen Krisen – nicht zuletzt die rasant steigenden Preise an der Tankstelle – werden vom Autor, der zuvor bereits ebenso gewichtige Werke über das zaristische Russland und Jerusalem verfasst hat, akribisch nachgezeichnet. Von der kolonialen Aufteilung bis hin zu einem möglichen Moment, in dem sich der Kreis schließt, während der türkische Staatschef Recep Erdogan zunehmend seine Muskeln spielen lässt, zeichnet Montefiores mitreißende Erzählung nach, wie Revolutionäre, Dichter und Despoten die heutige Landkarte der Staaten geprägt haben, die sich von Marokko bis zum Iran erstreckt. Die Liste der Persönlichkeiten, darunter ehemalige Präsidenten, die sein Buch in den höchsten Tönen loben, unterstreicht nicht nur den wegweisenden Charakter von Montefiores Werk, sondern dient auch als Warnung: Dies ist kein Buch, mit dem man sich gemütlich zur leichten Lektüre zurückziehen kann.

Kinderbuch der Woche

Bildnachweis: PA; Autorin: Holly Swain;

5. „Colins Monster“ von Holly Swain

Fans der „Colin und Duck“-Reihe werden von dem neuesten Werk der Autorin und Illustratorin Holly Swain begeistert sein. Wieder einmal stehen der Vampir Colin und sein bester Freund Duck im Mittelpunkt; die beiden haben sich mittlerweile im Schloss eingelebt – nachdem Duck in „Colins Schloss“ aus dem Jahr 2024 zunächst ein unwillkommener Hausgast war. Sie mögen sich zwar heimisch fühlen, doch ihr Zuhause ist immer noch riesig – was bedeutet, dass es jede Menge unerforschte Bereiche gibt. Nachdem sie ein seltsames Geräusch bemerkt haben, durchsuchen Colin und Duck das Schloss nach dessen Quelle, bis nur noch ein Ort übrig bleibt, an dem sie nachsehen können: der Kerker. Wie der Titel des Buches schon andeutet, könnt ihr euch wahrscheinlich denken, was dort lauert … doch es handelt sich nicht um eine Gruselgeschichte, sondern um eine Geschichte voller fröhlichen Humors. Der dritte Band der Reihe ist definitiv der ambitionierteste – vielleicht versucht er ein bisschen zu viel, wo doch einfacher vielleicht besser gewesen wäre –, aber er steckt dennoch voller Swains typischer Skurrilität, mit den liebenswerten Figuren Colin und Duck.