Ohne mich nun allzu sehr selbst loben zu wollen: Irgendwie ist es mir in meinen 62 Lebensjahren gelungen, einige interessante Menschen kennenzulernen. Das war allerdings nie beabsichtigt, versteht sich. Der berühmte Fernsehkoch, der verstorbene (großartige) Keith Floyd, war ein Freund eines Freundes. Dieses alte Sprichwort gehörte zu seinen Lieblingssprüchen.
Ich war noch ein junger Mann, als ich ihn kennenlernte (26). Trotz meiner Jugend sind einige dieser „Floydschen“ Erinnerungen definitiv im Nebel alkoholbedingter Amnesie verschwommen. Man sagt, Gleich und Gleich gesellt sich gern, und unsere Gruppe hatte mehr als nur ein kleines Faible für den einen oder anderen „Schluck“. Floyd war natürlich dafür berühmt. Nicht, dass mir das damals auch nur im Entferntesten bewusst gewesen wäre. Ich hatte noch nie von Keith Floyd gehört, geschweige denn eine seiner Kochsendungen gesehen und von seiner Vorliebe für das „Schlürfen“ von Wein erfahren. Ich hatte eine Mutter, die für mich kochte.
Jedenfalls wäre es unhöflich von mir gewesen, mich nicht der Begeisterung von Floyd und seinen Freunden für das eine oder andere Gläschen anzuschließen. An eines erinnere ich mich noch sehr deutlich: die furchtbaren Kater.
Kein Feinschmecker
Heutzutage wäre es ein absoluter Witz, wenn ich auch nur versuchen würde, mich als eine Art „Feinschmecker“ darzustellen. Alle in meiner Familie sagen, ich hätte den Gaumen eines Kleinkindes. Und das stimmt. Ich bin einfach hoffnungslos, wenn es darum geht, verschiedene Speisen zu probieren.
Ich glaube nicht, dass Keith Floyd sich selbst jemals als „Feinschmecker“ bezeichnet hätte. Tatsächlich hätte er es verabscheut, so genannt zu werden – was wahrscheinlich der Grund dafür ist, dass er den Begriff „Gastronaut“ geprägt hat. Als weiterer bescheidener „Gastronaut“ kann ich mich also voll und ganz der Auffassung anschließen, dass viele Restaurants tatsächlich nur so gut sind wie das letzte Essen, das man dort zu sich genommen hat.
Ja, heute Abend sitze ich wieder einmal hier, recht bequem in einem stilvoll eingerichteten Raum in der wunderbaren Quinta de Santa Barbara. Ein Ort, der buchstäblich an einem Hang mit Blick auf die Alentejo-Stadt Constância liegt. Ich tue dies nach einer 15-jährigen Pause. Meine Güte, ich muss alt sein!
Nun habe ich ja schon oft davon geschwärmt, ein und dasselbe Restaurant ein zweites Mal zu besuchen, und von der Gefahr, enttäuscht zu werden. Doch dieses Mal gibt es eine Reihe von Vorbehalten zu berücksichtigen. Als ich vor all den Jahren das letzte Mal hier war, stand das Restaurant unter völlig anderer Leitung. Damals wurde es von einem Ehepaar geführt. Ein portugiesischer Herr mit seiner sehr eleganten, in England geborenen Frau, die einen Großteil ihrer frühen Jahre bei ihrer Familie in Goa verbracht hatte, wo sie einige ziemlich beeindruckende kulinarische Fähigkeiten verfeinert hatte.
Bildnachweis: Unsplash; Autor: andrea-junqueira;
Eine jugendliche Begeisterung
Spulen wir also mehr als 15 Jahre vor. Nun, ich freue mich, berichten zu können, dass sich zumindest in materieller Hinsicht nichts Wesentliches geändert hat. Es ist immer noch unverkennbar die alte Quinta de Santa Barbara, an die ich mich so lebhaft erinnere. In den vergangenen 15 Jahren hat der Ort jedoch mehrfach den Besitzer gewechselt. Die derzeitigen Eigentümer, der in Kuba geborene Senhor Marcos Sans und seine portugiesische Frau Senhora Ionice Campos, sind erst seit wenigen Monaten hier. Aber ich kann deutlich erkennen, dass sie jede Menge jugendlichen Elan, Begeisterung und Ehrgeiz mitbringen. Die alte Quinta scheint in ziemlich sicheren Händen zu sein.
Es dauerte nicht lange, bis ich mich entschieden hatte. Ich hatte mir die Speisekarte bereits am frühen Nachmittag angesehen. Eine Speise stach definitiv hervor, da ich mich ja mitten im Herzen des Alentejo befand. „Porco preto“, serviert auf einem Bett aus „Migas“. Diese Option war besonders verlockend, da dieses Gericht in der portugiesischen TV-Version von „MasterChef“ vorgestellt wurde. Die Küchenchefin der Quinta, Maria Margardia Presado (aus dem nahegelegenen Abrantes), war tatsächlich Kandidatin in der Staffel 2025/2026.
Euro & Cent
Wie sieht es also mit Pfund und Pence aus? Oder, wie man hier sagt, mit Euro und Cent. Nun, ein fabelhaftes, vollklimatisiertes Zimmer im historischen Stil mit eigenem Bad, inklusive des hervorragenden kontinentalen Frühstücksbuffets, kostete gerade einmal 54 €. Und das Abendessen, inklusive eines Bieres und zweier ordentlicher Gläser Wein sowie eines Desserts? Wartet ab. 36 €. Ist das nicht erstaunlich? Vor allem heutzutage? Das war nicht einfach nur eine beliebige Mahlzeit, sondern ein vollwertiges Gourmet-Erlebnis in einer absolut einzigartigen Umgebung. Wenn Sie also demnächst einen Ausflug ins Alentejo planen, ist dieses Lokal wirklich ein Muss. Die neuen Besitzer planen außerdem, die Speisekarte ein wenig aufzupeppen, und haben einige Themenabende in der Pipeline. Brasilianische, indische und andere interessante kulinarische Soireen sind in naher Zukunft geplant. Also werde ich vielleicht nicht erst in 15 Jahren wiederkommen. In meinem Alter wäre das etwas unklug, wenn du verstehst, was ich meine.



Follow us on social media