Als Mittel zum Zweck ist das BIP schon immer in die Kritik geraten. Es war schon immer eine politische Erfindung, die den Interessen der Regierungsführung dient. Seine Hauptkomponenten sind Schätzungen zu Konsumausgaben, Unternehmensinvestitionen, Staatsausgaben und Nettoexporten. Diese werden von Statistikern erstellt, die die Schattenwirtschaft der Bargeldtransaktionen außer Acht lassen. Folglich schneidet das BIP gut ab, wenn es als Maßstab für die finanzielle Gesundheit und das Wachstum der Wirtschaft herangezogen wird, fällt jedoch schlecht aus, wenn es um das soziale Wohlergehen der Gesellschaft geht.
Werte, die Aktivitäten wie Hausarbeit, der Betreuung von Kindern und pflegebedürftigen Menschen, Gelegenheitsbeschäftigung und der Pflege kultureller Interessen zugeschrieben werden sollten, sind wichtig für die Berechnung des Werts gesellschaftlicher Entwicklung. Dieser „stille Sektor“ lässt sich nicht genau beziffern, doch könnte sein Ausschluss aus dem BIP realistisch mit etwa 25 % der gesamten wirtschaftlichen Aktivität der Menschen veranschlagt werden.
Das Gleichgewicht der für die Berechnung des BIP verfügbaren statistischen Informationen hat sich im 21. Jahrhundert durch das exponentielle Wachstum der Nutzung von Kryptowährungen für Blockchain-Transaktionen drastisch verändert. Zwar werden Transaktionen zwar weiterhin in öffentlichen Hauptbüchern erfasst, doch solche „pseudonymen“ Aktivitäten sind ein Segen für die Verschleierung von Gewinnen aus kriminellen Aktivitäten, Glücksspiel und geheimen Operationen, bei denen die Absicht besteht, die Steuerpflicht zu mindern oder ganz zu umgehen.
Diese Steuerhinterziehung ist jedoch gering im Vergleich zu dem Umfang, in dem die Gewinne aus der digitalen Wirtschaft weltweit verzerrt dargestellt werden, um den Gastländern eine genaue Erfassung der innerhalb ihres Hoheitsgebiets erwirtschafteten Einnahmen zu verwehren.
Der Wegfall geografischer Grenzen für die Industrie lässt sich direkt auf das Wachstum des Cloud-Computing zurückführen, das seine Vermögenswerte an geistigem Eigentum (wie Datenbanken, KI-Algorithmen und proprietäre Software) in eine Umgebung verlagert, die keine physische Abgrenzung kennt. Multinationale Unternehmen können mit einem Klick ihre Rechte an geistigem Eigentum in Länder mit niedrigen Steuersätzen und unregulierten Wirtschaftssystemen übertragen. Tochtergesellschaften können dann in den Gastländern, die die Infrastruktur für Rechenzentren, Glasfaserverbindungen und die erforderliche Hardware bereitgestellt haben, enorme Lizenzgebühren für die Nutzung von Cloud-Software in Rechnung stellen.
In den frühen Phasen der Entwicklung einer digitalen Industrie wird das nationale BIP angekurbelt, da praktisch die gesamte Hardware importiert werden muss und somit bei der Zollkontrolle erfasst wird. Dies gilt zudem für den Austausch von Maschinen wie Nvidia-Blackwell-Prozessoren, Chips und Servern, die bekanntermaßen eine kurze Lebensdauer von drei bis fünf Jahren haben. Auch durch den Bau lokaler unterstützender Einrichtungen sowie den Anschluss an das Strom- und Wasserkühlungsnetz fallen Mehrwertsteuereinnahmen an.
Sobald diese jedoch fertiggestellt sind und sich der digitale Kuckuck bequem in seinem Cyber-Nest eingerichtet hat, schwindet das steuerpflichtige Einkommen der Gastländer aus den Investitionen in Sachanlagen, bis es nahezu vernachlässigbar wird.
Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts hatte die OECD ihre 35 Mitgliedsländer und 85 assoziierten Länder davon überzeugt, verschiedene Indizes und Maßnahmen einzuführen, um die durch die Schattenwirtschaft verursachten Anomalien bei der Berechnung des konventionellen BIP zu korrigieren. Diese angesehene Organisation hat auch begrenzte Erfolge in Bezug auf das Vordringen von Kryptowährungen in den Finanzverkehr erzielt.
Mit dem plötzlichen Aufkommen der KI als dominierendem Faktor in der Weltwirtschaft zeigt die OECD jedoch kaum Anzeichen dafür, dass sie mit dem neuen Regime fertig werden könnte, das von den „magnificent seven“ – den sieben großen US-Konzernen – eingeführt wurde. Diese weisen derzeit eine Marktkapitalisierung von 37 Billionen US-Dollar auf und verfügen gemeinsam über die Macht, den Weg zum finanziellen Ruhm (oder ins Vergessen) zu diktieren.
Das Problem ist paradox. Die OECD setzt alle Fähigkeiten ihrer Ökonomen und deren KI-Assistenten ein, um neue Standorte für die Marktzuständigkeit zu definieren, an denen ein globaler Mindeststeuersatz von 15 % gelten soll. Die sieben Cyber-Mächte entwickeln jedoch eine überlegene Form der KI, die in der Lage sein wird, alle derartigen Bemühungen zur Regulierung ihrer autonomen Aktivitäten oder zur Besteuerung der von ihnen geschaffenen New Economy zu vereiteln.
Irland wird oft mit Portugal verglichen, da es als digitales Tor zu einer neuen europäischen Wirtschaft gilt, die derzeit umgestaltet wird, um den Anforderungen der KI in ihrer versprochenen überlegenen Form gerecht zu werden. Im 21. Jahrhundert weckte die irische Initiative das Interesse von Google, Apple, Meta und Microsoft, dort ihre europäischen Hauptsitze für den Import und Vertrieb von IP-Vermögenswerten innerhalb der EU zu errichten.
Anfangs wurden massive Investitionen in US-Dollar in Infrastruktur wie Rechenzentren und Wohnraum getätigt, doch die daraus resultierenden Einnahmen aus dem Export von Finanzdienstleistungen und immateriellem geistigem Eigentum innerhalb der EU wurden größtenteils über Offshore-Zentren abgerechnet, die noch niedrigere Steuersätze als die irischen 12,5 % boten. Der daraus resultierende Wohlstand füllte die Taschen der US-Investoren, doch nur sehr wenig davon floss an die irischen Bürger zurück, die durch ihre Steuern einen Scheinanstieg der Wirtschaftsleistung um rund 40 % mitfinanziert hatten.
Die portugiesische Strategie hat aus dem irischen Beispiel gelernt. Anstatt Souveränität aufzugeben, indem es zu einer digitalen Kolonie wird, die größtenteils als Verwaltungszentrum für amerikanische Auslandsinvestitionen dient, konzentriert sich Portugal auf den physischen Aspekt des Aufbaus fester Infrastruktur auf seinem Staatsgebiet. Es wird sich auf die NIS2-Richtlinie der EU stützen, die über das Nationale Cybersicherheitszentrum umgesetzt wird, um Auflagen für die Überprüfung der Absichten der Technologiegiganten zur Monopolisierung der europäischen digitalen Märkte zu erlassen.
Dabei wird die europäische Autorität durch den kolossalen amerikanischen Apparat herausgefordert, der es sehr wohl versteht, die bürokratischen Systeme einzelner Nationen anzupassen, indem er ausgefeilte Netzwerktechniken und massive Kapitalressourcen einsetzt, um die Schwächen des öffentlichen Sektors auszunutzen und so seine wirtschaftlichen Ziele zu erreichen.
Die europäische Einheit ist fragil; die Bedrohungen für ihre Wirtschaft nehmen aufgrund der globalen Zersplitterung alter Bündnisse und der Bildung neuer Allianzen zur Kontrolle lebenswichtiger Ressourcen zu. Diese Faktoren verhindern eine realistische Einschätzung des BIP als Indikator für die wirtschaftliche Gesundheit einer Welt, die ohnehin schon von den Gefahren eines sich rasch wandelnden Klimas heimgesucht wird.









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