Der oft übersehene Zusammenhang zwischen Design, menschlichem Verhalten und dem langfristigen Immobilienwert.
Die Immobilienbranche dreht sich um Zahlen: Quadratmeterpreis. Rendite. Auslastung. Baukosten. Mietwachstum. Angebot. Nachfrage. All das ist entscheidend. Doch es gibt noch einen weiteren Faktor, der sich viel schwerer in einer Tabellenkalkulation erfassen lässt.
Wie wir uns an einem Ort fühlen.
Wenn wir durch ein schönes Viertel spazieren, ein durchdacht gestaltetes Hotel betreten, auf einem liebevoll angelegten öffentlichen Platz sitzen oder Zeit in einem Gebäude verbringen, das von natürlichem Licht durchflutet ist, ist unsere Reaktion fast instinktiv. Wir wollen bleiben. Wir wollen wiederkommen. Manchmal sind wir sogar bereit, mehr zu bezahlen, um dort zu sein.
Das wirft für Investoren und Bauträger eine interessante Frage auf: Kann Schönheit tatsächlich die Wertentwicklung von Immobilien beeinflussen?
Bildnachweis: Zur Verfügung gestelltes Bild; Autor: EQTY;
Wir messen schönen Orten bereits einen Preis bei
Schönheit ist subjektiv. Doch viele der Merkmale, die zu unserer Wahrnehmung eines schönen Ortes beitragen, sind es nicht.
Architektur. Grünflächen. Tageslicht. Ausblicke. Fußgängerfreundlichkeit. Materialien. Landschaft. Proportionen. Öffentlicher Raum. Eine Verbindung zur lokalen Kultur.
Eine in „Ecological Economics“ veröffentlichte Studie, die mehr als 35.000 Wohnimmobilientransaktionen in Amsterdam analysierte, ergab, dass Wohnungen im Umkreis von 250 Metern um attraktive Grünflächen mit geschätzten Preisaufschlägen zwischen 7,1 % und 9,3 % verbunden waren . Der Effekt nahm mit zunehmender Entfernung ab .
Eine Untersuchung der Universität Cambridge liefert ein weiteres interessantes Beispiel. Bei der Analyse der architektonischen Form und der Wohnimmobilientransaktionen in Rotterdam stellte die Studie fest, dass Reihenhäuser in architektonisch sehr einheitlichen Ensembles im Vergleich zu solchen in einer heterogeneren Umgebung einen Preisaufschlag von etwa 3,5 % aufwiesen.
Keine der beiden Studien besagt, dass die Gestaltung attraktiver Grünflächen oder einer schönen Fassade den Wert einer Immobilie automatisch um einen festgelegten Prozentsatz erhöht. Doch sie zeigen etwas Wichtiges: Merkmale, die mit der Qualität und Attraktivität unserer Umgebung zusammenhängen, können in Immobilienwerte einfließen.
Von der Ästhetik zur Ökonomie
Dieser Zusammenhang lässt sich leichter verstehen, wenn wir aufhören, Schönheit als bloße Dekoration zu betrachten.
Gute Orte beeinflussen das Verhalten.
Ein Ort, an dem sich Menschen wohlfühlen, kann sie dazu animieren, länger zu verweilen. Ein Stadtteil, den die Menschen schätzen, kann eine höhere Nachfrage nach Wohnraum schaffen. Ein unvergessliches Hotel kann Gäste dazu bewegen, wiederzukommen. Ein einladender öffentlicher Raum kann Aktivität und Besucherfrequenz generieren. Und diese Verhaltensweisen haben wirtschaftliche Konsequenzen.
Die „2025 Global Consumer Experience Survey“ von JLL, die auf einer Befragung von 12.000 Menschen in 19 Märkten und 64 Städten basiert, ergab, dass 69 % der Verbraucher bereit waren, für hochwertige Erlebnisse einen Aufpreis zu zahlen. Vielleicht noch aufschlussreicher ist, dass 74 % angaben, Städte müssten neue Erlebnisse bieten, um relevant zu bleiben.
Dies stellt einen wichtigen Wandel für die Immobilienbranche dar.
Die Menschen erwarten zunehmend, dass Gebäude und Orte mehr leisten als nur eine Funktion zu erfüllen. Sie erwarten, dass diese die Zeit, die sie dort verbringen, bereichern. Das Erlebnis eines Ortes wird Teil seines Wertversprechens.
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Schön bedeutet nicht teuer
Schöne Immobilien sind nicht unbedingt extravagante Immobilien. Schönheit erfordert keinen übermäßigen Einsatz von Marmor, teure Ausstattungen oder spektakuläre Architektur.
Einige der erfolgreichsten Orte sind bemerkenswert schlicht.
Sie funktionieren, weil die Proportionen stimmig wirken. Weil natürliches Licht vorhanden ist. Weil die Landschaftsgestaltung von Anfang an berücksichtigt und nicht erst am Ende hinzugefügt wurde. Weil die Materialien gut altern. Weil sich die Gebäude in ihre Umgebung einfügen. Vor allem aber wirken sie authentisch.
Das ist wichtig, denn Design, das in erster Linie darauf ausgelegt ist, zu beeindrucken, kann bemerkenswert schnell veralten. Orte mit einer echten Identität altern in der Regel anders.
Das Gebäude ist nicht mehr das gesamte Produkt
Dies ist besonders relevant, da Immobilien, Gastgewerbe und Lifestyle zunehmend miteinander verschmelzen.
Man stelle sich einen gemischt genutzten Standort vor, der Wohnungen, Gastgewerbe, Restaurants, Wellness, Arbeitsräume und landschaftlich gestaltete öffentliche Bereiche vereint. Für sich genommen hat jede Komponente eine Funktion. Zusammen schaffen sie ein Erlebnis.
Das Hotel sorgt für Service. Restaurants sorgen für Belebung. Die Landschaftsgestaltung schafft Räume, in denen Menschen gerne Zeit verbringen. Wellness fördert die Lebensqualität. Öffentliche Bereiche bieten Möglichkeiten zur Interaktion.
Der Wert des Standorts ist daher mehr als die Summe seiner Gebäude.
Untersuchungen von JLL deuten darauf hin, dass gemischt genutzte Projekte mittlerweile nicht nur hinsichtlich Lage und Ausstattung, sondern auch hinsichtlich des Erlebnisses miteinander konkurrieren.
Für Investoren verändert dies die Diskussion: Wir bewerten nicht mehr nur, was gebaut wird. Wir müssen auch verstehen, welche Art von Leben dort entstehen wird, sobald es fertiggestellt ist.









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