Lufthansa will Passagiere, die derzeit über Frankfurt, Zürich oder München nach Brasilien reisen, künftig über Lissabon befördern und dabei die Integration von TAP nutzen, erklärte der Vorstandsvorsitzende des deutschen Konzerns heute.

In einer Telefonkonferenz mit Analysten und Investoren erklärte Carsten Spohr, dass Lufthansa derzeit Passagiere aus Frankreich, Spanien und Portugal nach Brasilien befördert und sie über ihre wichtigsten Drehkreuzflughäfen in Europa umleitet.

„In Zukunft wird die Umleitung über Lissabon ein Element sein, das in unserer Netzwerkstrategie einen deutlich höheren Mehrwert schafft“, erklärte der Manager und betonte dabei die Komplementarität zwischen TAP und den anderen Unternehmen des deutschen Konzerns.

Carsten Spohr ist der Ansicht, dass die Integration der portugiesischen Fluggesellschaft die Position der Lufthansa bei Flügen zwischen Europa und Südamerika, insbesondere nach Brasilien, erheblich stärken wird.

Der Manager hob hervor, dass der Marktanteil der deutschen Gruppe bei Flügen zwischen Europa und Lateinamerika mit dem Einstieg von TAP von 9 Prozent auf 20 Prozent steigen dürfte, wodurch sie näher an die Position der IAG-Gruppe heranrückt, der Eigentümerin von British Airways und Iberia.

Lissabon wird zum wichtigen Drehkreuz für Südamerika

Der Vorstandsvorsitzende betonte zudem, dass die geografische Lage Lissabons Möglichkeiten für Verbindungen zwischen Europa und Südamerika biete, die an den anderen Flughäfen des Konzerns nicht gegeben seien.

In ihrer heutigen Präsentation vor Investoren bezeichnete Lufthansa Lissabon als wichtigstes Drehkreuz des Konzerns für Langstreckenverbindungen in den Südatlantik, während Porto voraussichtlich als zweite strategische Basis dienen soll.

Flottenausbau bei TAP und neue Flugzeuge

Der am Mittwoch von der portugiesischen Regierung ausgewählte Vorschlag sieht die Verstärkung des Langstreckenbetriebs in Porto mit acht Flugzeugen sowie den Ausbau der TAP-Flotte auf 117 Flugzeuge im Jahr 2035 und 130 danach vor, wobei Letzteres mit der Fertigstellung des neuen Flughafens in Lissabon verbunden ist.

Zudem ist geplant, nach 2030 bis zu acht Airbus A350-900 an TAP zu übertragen und die Flotte von Portugália zu modernisieren.

Im Rahmen der kommerziellen Integration soll TAP in der Star Alliance verbleiben und der transatlantischen Partnerschaft zwischen Lufthansa, United Airlines und Air Canada beitreten, was eine bessere Koordinierung von Flugplänen, Preisen und Angeboten für Verbindungen zwischen Europa und Nordamerika ermöglicht.

Neue Investitionen und Beschäftigungsmöglichkeiten in Portugal

Neben dem Flugbetrieb umfasst der Vorschlag des deutschen Konzerns Investitionen im Bereich der Wartung, einschließlich der Integration der Kompetenzen von TAP in das Netzwerk von Lufthansa Technik.

Zu den geplanten Projekten gehört eine Investition in Höhe von rund 300 Millionen Euro in eine neue Niederlassung von Lufthansa Technik in Santa Maria da Feira, wodurch etwa 700 Arbeitsplätze geschaffen werden sollen.

Der Vorschlag umfasst zudem die Einrichtung eines Zentrums für technologische Innovation und die Förderung von Start-ups in Aveiro, eines Zentrums für Unternehmens- und Betriebsdienstleistungen in Portugal sowie einer Schule für Militärluftfahrt in Tancos, wodurch rund 200 Arbeitsplätze entstehen sollen.

Zudem sind Initiativen im Zusammenhang mit der Entwicklung und Bereitstellung nachhaltiger Flugkraftstoffe in Portugal geplant.

Lufthansa plant Übernahme von TAP bis 2028

Am Mittwoch hat die portugiesische Regierung Lufthansa ausgewählt, zunächst 44,9 Prozent des Kapitals von TAP zu einem Referenzpreis von 1,025 Milliarden Euro zu erwerben, wobei sich der Anteil potenziell auf 49,9 Prozent erhöhen könnte, falls die Mitarbeiter nicht alle für sie reservierten Aktien zeichnen.

Der deutsche Konzern rechnet damit, die Transaktion in der ersten Hälfte des Jahres 2028 abzuschließen, vorbehaltlich der Erteilung der erforderlichen behördlichen Genehmigungen.

Zur Lufthansa-Gruppe gehören Unternehmen wie Lufthansa, SWISS, Austrian Airlines, Brussels Airlines und Eurowings sowie eine Beteiligung an der italienischen Fluggesellschaft ITA Airways mit Drehkreuzen in Frankfurt, München, Zürich, Wien, Brüssel und Rom.

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